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Menschen zu helfen ist in unserer Gesellschaft ein hohes Gut. Und es kann uns glücklich machen. Der Helfer/ Retter fühlt sich stark und gebraucht. Allerdings sollte Hilfe gut überlegt und dosiert werden, sich einfach kopflos darein zu stürzen, kann einem schon mal das Genick brechen!

Es gibt zunächstmal in Konfliktkonstellationen aber auch in vielen alltäglichen Herausforderungen dreierlei Verhaltens- bzw. Menschen-Typen. Es gib in der Regel ein Opfer, einen Täter und einen Retter. Es ist natürlich von der Situation abhängig. Kaum ein Mensch ist nur das Eine oder Andere. Und leider kann auch keiner so leicht aus seiner Rolle heraus. Nicht selten hören wir dann: “ich weiss, was ich machen oder ändern müsste aber ich kann es nicht…”.

Dem Opfer von Konflikten, Hindernissen oder eigenen Blockaden eine gezielte Hilfe für den ersten und zweiten Moment zukommen zu lassen, ist sinnvoll und angebracht. Dennoch, wie sieht es aus, wenn der Retter zum Dauer-Helfer wird? Wo eine Baustelle gerade bereinigt scheint, kommt das Opfer mit einer neuen Bitte um die Ecke. Das System der Hilfe entwickelt seine Dynamik, sodass die Bitten um Unterstützung nicht mal verbal sondern non-verbal transportiert werden. Ein Blick, ein Seufzer, eine traurige Stimme können als Auslöser / Trigger für die “Helden”-Tat/ Aktionismus reichen. Eine Spirale von Erwartungen und Selbsterwartung wird zum Selbstläufer und schon kaum beherrschbar. Vielleicht waren Sie auch schon mal in der Rolle des Helfers und kennen diese Dynamik, in der Sie bereits vorab überlegen, wie Sie helfen können? Wenn sich Ihre Gedanken stets um den nächsten Schritt drehen. Wenn Ihre eigenen Bedürfnisse zunehmend in den Hintergrund treten, weil Sie ja so stark sind und das Opfer so schwach…

Wo ist denn der Täter in dem Ganzen? Das ist die ausschlaggebende Frage. Häufig werden die Opfer und die Retter nichtsdestoweniger zu Tätern. Wie das kommt? Na, weil das Opfer sich oftmals selbst zerstört, indem es sich auf der Hilfe ausruht und, weil der Retter dort hilft, wo Hilfe nicht angebracht ist – also die Opferrolle zwar ungewollt, dennoch verstärkt. Nämlich, wenn die Hilfe in den Bereichen stattfindet, in denen das Opfer sich selbst aktivieren könnte. Dort, wo Ressourcen und Fähigkeiten vorhanden sind. So baut das Opfer, durch eine falsch verstandene Hilfsbereitschaft seitens des Retters, seine Fähigkeiten ab. Und irgendwann traut es sich nicht mehr gewisse Dinge selbst zu tun.
Insofern sollte Hilfe gut dosiert sein!

Die Gründe weshalb wir oftmals sinnlos helfen? Leider, weil es durchaus schneller und einfacher einem selbst vorkommt. (Eigentlich dürfte dann nicht von Hilfe, sondern Übernahme gesprochen werden). Hingegen den konkreten Bereich der Hilfestellung mit dem Opfer auszuhandeln, sich müssig anfüllen kann. Manchmal aber auch, weil wir nicht darüber nachdenken, was sinn macht. Einige male, weil wir Gefühle wie Mitleid haben und das eigene EGO dadurch gebauchpinselt wird. Ferner sind Druck, Verpflichtungs- oder Verantwortungsgefühlt der Motor dafür. Auch es auszuhalten, dem Opfer zu sagen, wo man die Hilfe geben kann und als notwendig erachtet, ist nicht leicht. So verstärken manches mal die Opfer und die Retter das Opfersein!

Sie kennen den Spruch, in dem es heisst, dass man den Armen keinen Fisch schenken sollte, sondern ihnen das Angeln/ Fischen beibringen soll. Der Spruch macht es deutlich, wie Hilfe funktionieren kann. Nämlich, in dem das Opfer aus seiner Opfertolle raus kann und der Helfer wiederum nicht ewig in seiner Rolle bleiben.
Folgende Fragen können Ihnen helfen, zu erkennen, ob Sie sich in einer ungesunden Retter-Rolle befinden:

  • Was ist der konkrete Gegenstand meiner Hilfe?
  • Seit wann helfe ich?
  • Hat meine Hilfe eine nachhaltige Veränderung gebracht?Habe ich manchmal zu viel geholfen?
  • Wo habe ich konkret zu viel geholfen?
  • Welche Fähigkeiten hat die Person, der ich helfe und welche nicht?
  • Welche Fähigkeiten können angefordert werden?
  • Welche Ressourcen hat die Person, der ich helfe?
  • Wie können weitere Ressourcen entwickelt werden?
  • Was ist mein wahres Motiv zu helfen?
  • usw….

Egoistisch motivierte Hilfe kommt auch vor!
Sich abzugrenzen und zu verstehen, dass man manches mal viel mehr hilft, in dem man nicht hilft – das bedarf Kraft.

Deshalb noch zwei Anmerkungen zu Schluss:
Wenn Sie viel helfen, sich aber in diesem Artikel nicht wiederfinden und Ihnen der Gedanke dauernd aufkommt – was will sie von mir – ich helfe doch gerne, dann bleiben Sie dabei und schauen Sie nur, wo, wann und wieviel Sie helfen? Und fragen Sie sich nicht, ob Sie zu viel helfen… Fagen Sie sich stattdessen, ob jede Hilfe, die Sie geleistet haben notwendig und tatsächlich helfend war. Dort legen Sie den Massstab fest.

Und das zweite ist: denken Sie daran, wenn Sie sich an Ihrer Hilfsbereitschaft ausbrennen, dann ist niemanden damit geholfen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen erfolgreiches dennoch sinnvoll dosiertes Helfen!

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