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…und am Anfang da dreht sich vieles darum, Bestätigung dafür zu bekommen, wie schlimm die andere Seite doch ist… Die Menschen, die mich aufsuchen, weil sie mit jemandem im Konflikt sind, haben ersteinmal einen sehr hohen Gesprächsbedarf. Reden, reden, reden… und werten, drehen und wenden. Sie haben viele Beispiele für eine und die gleiche Sache/ Beziehung – sie kommen mit jemandem so richtig nicht klar. Das sehen sie in dem Erlebten felsenfest bewiesen.

…und das Starre bekommt Risse… Nachdem sie jedoch geredet haben. Sich so richtig leer geredet haben, fangen sie hier und da an, bei sich kritischer zu schauen. Das ist wie ein Sieb, der zunehmend grössere Löcher bekommt, aus denen eine gewisse Art der Selbstkritik oder besser gesagt, einer Selbstreflexion strömt.
Die Selbstreflexion schafft einen Perspektivenwechsel. Eine Einsicht darüber, dass Situationen unterschiedlich bewertet werden können. Dass Verhaltensweisen, nicht immer den Zweck haben, den wir darin erkennen. Dass Menschen manchmal Gutes möchten, was bei Anderen als Schlechtes ankommt – weil jeder tatsächlich nur aus der eigenen Perspektive heraus werten kann.

Woher denn sonst – eine andere haben wir nicht gelernt – oder doch???

Der Kopf – also der Verstand/die Logik erlaubt uns nur die aus unseren Erlebnissen, Gesprächen, sich in Büchern befindlichen Weisheiten, stammende – sprich auf Erfahrungen basierende Realität zu schaffen. Der Kopf schafft also eine logische Realität, die auf das, was unsere Erfahrung ist zurückgreift. Was ich aber nicht erfahren habe, dazu kann ich keine Verbindung schaffen. Noch einfacher gesagt, was ich nicht weiss, das kann ich mir nicht vorstellen.
Also, darauf zu vertrauen, dass der Andere es nicht so meinten, wie es bei mir angekommen ist, kann der Weg sein. Denn es kann bei mir nur das ankommen, was ich kenne. Der Andere weißt jedoch meist nicht, was meine eigenen Erfahrungen sind. Selbst dann, wenn jemand mich sehr gut kennen, ist ihr/ sein Wissen über meine innere Welt begrenzt.
Unser Herz, unser Bauch (oder bei manchen auch die Nieren und der Magen) – wo auch immer sich unsere Gefühlswelt versteckt, erlaubt uns Perspektiven anzunehmen, die fern von der Logik – jedoch nah am anderen Menschen und vor allem uns selbst, sind. Mit einem positiven Gefühl den Menschen zu begegnen und nicht nach dem Negativen suchen. Selbst in den Momenten, wo es einem selbst stimmungstechnisch nicht ganz gut geht, kann man jedem anderen Menschen positiv begegnen. Einfach indem man sich klar macht, dass die Anderen mit meiner Stimmung nichts zu tun haben.

Diese 4 Schritte können Ihnen helfen, sich von der Logik zu trennen:

  • Lass erstmal die Gefühle zu, welches in Dir aufkommen – auch, wenn es weh tut
  • Werde darüber bewusst, dass der Andere nichts mit Deinen Gefühlen zu tun hat
  • Wenn eine logische Erklärung dafür in Dir aufkommt, dass der Andere eine gegen Dich gerichtete Absicht hatte, aufkommt – so frage Dich: Ist das wirklich so? Wie kann ich mir sicher sein, dass meine Erklärung richtig ist?
  • Lasse eine andere Erklärung zu, um Deine erste Erklärung zu widerlegen. Wenn Du danach regelrecht suchst, findest Du welche. Diese wird Dir helfen zu begreifen, dass es viele Erklärungen gibt…

Oder sage Dir selbst: der Andere hat etwas, was mich verletzt hat, gesagt oder getan – JA das stimmt – ICH ABER AUCH! Weil ich es als solches interpretiert habe.

Zum Schluss noch ein Bespiel:
Heute kommt Anna zu spät zum Termin. Monika, wartet auf sie und die Wut steigt in ihr. Schliesslich kommt Anna immer wieder zu spät. Monika empfindet dies als Respektlosigkeit sich selbst und auch anderen Menschen gegenüber. Monika ist fest davon überzeugt, dass auch andere sich über Annas Verhalten sehr ärgern. Es kann nicht anders sein, denn Pünktlichkeit ist in Monikas Welt ein hohes Gut. Da sich Anna zum wiederholten Mal verspätest, meint sie, Anna täte dies mit Absicht. Sie weisst doch, wie wichtig mir Pünktlichkeit ist – sagt sie sich selbst. Also, obwohl sie es weißt tut sie es wiederholt – darin sieh Monika eine Absicht bewiesen.
Anna hingegen ist so erzogen, dass 15 Min. Verspätung keine Rolle spielen. Zu Hause wurde immer gesagt, akademischer Viertel ist in Ordnung. Sie würde sich zwar nie zu einer Prüfung o.ä. verspäten aber, wenn es um Termine geht, wo dieser akademischer Viertel möglich ist – dort erlaub sie sich das. Da sie Monika für eine sehr gute und ihr nahe stehende Arbeitskollegin hält, dankt sie, dass Monika das von ihr nicht anders kennt. Sie weißt zwar, dass Monika Pünktlichkeit wichtig ist aber sie nimmt ihre eigene Verabredung/Termin mit Monika nicht als einen so offiziellen Termin wahr, als dass sie ihn so pünktlich einhalten müsste.

Ich kommentiere dieses Geschichte nicht und überlasse sie Ihrer Deutung. So viel sei noch gesagt: darin lassen sich verschiedene Perspektiven und Motive sehr gut erkennen. Eine Einfache und tägliche Irritation, die viel Ärger, Wut und Selbstzweifel bedeuten kann…

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