Unser Leben spielt uns eine Rolle!
Im soziologischen Sinne spielen wir viele Rollen. Vielleicht die der Chefin, der Mutter und der Tochter. Es sind auf jeden Fall nicht nur 3 und auch nicht 4 – es sind noch viele mehr. Hier und heute geht es mir um die Gesamtheit, wenn auch die Rollen-Teilstücke unsere gesamte Lebensrolle und Persönlichkeit ausmachen.

Um unsere Lebensrollen spielen zu können, haben wir fleißig als Kinder gelernt und geübt.
Wer selbst Kinder hat, der weiß wovon ich rede. Wie oft erkennt Ihr Euch im Verhalten und Worten Eurer Kinder. Manchmal ist es süß, mal auch lustig, einige Male macht es Euch auch stolz, was Eure Kinder von Euch übernommen haben. Es gibt aber auch Momente, wo es beschämend wird, dass man kein besseres Vorbild war.

Aber zurück zum Eigentlichen.

Wir haben wir uns also verschiedene Verhaltensmuster zunächst, die von unseren Eltern, abgeschaut und übernommen. Und weil es um die eigenen Eltern geht, waren wir da auch nicht kritisch. Das wurde eben nicht hinterfragt. Mit den Eltern haben wir die erste, somit die am meisten prägende Zeit verbracht. Und, weil wir zu unseren Eltern meist die tiefste Beziehung pflegten, lagen uns ihre Muster am Nächsten.

106Dann kamen die Muster andere Menschen dazu. Auch sie haben uns eine Vielfalt offenbart. Und wenn sie uns gefielen, dann haben wir versucht ebenfalls diese Muster in unser Repertoire aufzunehmen. Doch die tiefer eingeprägten Muster aus der früheren Kindheit abzulegen, bei aller Selbstkritik, ist nicht leicht.
Es lässt sich mit dem Lernen der Sprache vergleichen. Die als erstes gelernte Sprache, wird zur Muttersprache – wenn wir sie lange genug sprechen. Die später erlernten Sprachen verinnerlichen wir nicht so leicht und das Gefühl für diese Sprachen fehlt oftmals.

Nun sind wir in unserem erwachenden Alter, wie Schauspieler auf einer Bühne. Nein, sorry, auf vielen Bühnen, wo wir unsere vielen Rollen vorstellen. Eben die der Chefin, der Mutter… Und wir greifen darauf zurück, was wir gelernt haben. Wir wiederholen, was positiv für uns ist und auch das Negative wiederholen wir. Und wie ein Schauspieler, dessen Rolle noch nicht ganz sitzt, wiederholen wir das, was uns nicht ganz so gut tut – also nicht ganz so liegt, ziemlich oft. Wozu? Na weil wir es immer wieder besser machen wollen.

Da uns andere Muster fehlen, wir sie zwar vom Verstand her kennen aber von Gefühl her nicht verinnerlich haben, drehen wir uns im Kreis mit dem verinnerlichten Muster.
Ich kann nicht sagen, dass wir das Negative öfter wiederholen als das Positive, aber ich weiss, dass das Negative stärker aufhält, weil es schmerzhaft ist und stört.

Wie kann ich nun diese Muster durchbrechen, um nicht so sehr leiden zu müssen und um etwas daraus zu lernen?

Eine Möglichkeit ist sich eine negative Situation aus der Distanz heraus, der s.g. Metaebene anzuschauen. In dieser Aufgabe/ Rolle bist Du sowohl der Schauspieler als auch das Publikum. Der Schauspieler fühlt die Verletzung und das Publikum meint, worüber regt sie sich so auf??? – Das ist eben die Metaebene!

Und das geht so:

  • Nimm zum Anlass eine Negative-/ Streitsituation, die sich bereits mehrfach wiederholt hat
  • Schaue Dir an, um welches Gefühl es in dieser Situation immer gegangen ist. Also, welches Gefühl verursacht Deine Emotionen, wo ist der Widerstand

Sagen wir, es geht um das Gefühl der Einsamkeit – Du fühlst Dich nicht genug beachtet und vernachlässigt, weil Dein Partner sich erneut mit seinen Kumpels trifft und ausgerechnet in den nächsten 4 Stunden nicht bei Dir ist. Also, er geht weg und das verletzt Dich.

  • Frage Dich nun, was verletzt mich wirklich und vor allem, wo habe ich das schon mal in meiner Vergangenheit erlebt. Gehe dabei nicht zu Deinen früheren Partnerschaften, sondern in Deine Kindheit
  • Möglicherweise haben Deine Eltern Dir nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt, wie Du es gebraucht hättest. Da ist dann das, was Dich nachhaltig verletzt und gekränkt hat

Wenn Du die richtigen Situationen dafür rekonstruiert hast, wirst Du merken, dass Dein Verhalten mit alten Kränkungen zu tun hat und alleine diese Erkenntnis, wird Dir helfen sich davon zu entfernen.

Setze voraus, dass ein Gefühl für eine Situation veränderbar ist, egal um welche Situation es sich dabei handelt. Du meinst, das sei schwer? Na gut, ich gebe ja zu, was wir Menschen  Jahrzehnte lang wiederholen, kann vielleicht nicht direkt bei ersten Mal aufgelöst werden – doch lass Dir Zeit.
Entwicklungen brauchen ihre Zeit…

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