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Eigentlich ist es klar: niemand kann für mich oder für Dich oder für sonst wen stellvertretend Probleme und Konflikte lösen. Wirklich niemand.

Als ich klein war und Stress in der Schule hatte – ich meine den mit den Lehrern, ging meine Mutter mit mir hin und klärte das. Ich durfte meist zugucken. Die Konflikte mit meinen Freundinnen löste ich selbst oder ich löste sie nicht, je nachdem wie die Situation war.

Von meinem Vater bekam ich andere Konfliktlösungsstrategie vorgelebt als von meiner Mutter. Er war eher ruhig und stur – manches mal hatte ich das Gefühl, dass seine Strategie das reine Abwarten war. Sie hingegen war direkt in Aktion, ging ins Gespräch – welches hier und da eskalierte.

Das waren zwei Strategien. Wobei, ohne meine Eltern schlecht machen zu wollen, denn sie wussten es einfach nicht besser, würde ich hier kaum von einer Strategie sprechen wollen. Eher – bei ihm vom Rückzug und bei ihr von Angriff – also vom intuitiven Verhalten und Umgang mit Konflikten. Welches natürlich in beiden Fällen zu keiner Lösung oder Eignung führte. Denn auf manch eine Lösungen wartet mein Vater bis heute. Wo hingegen meine Mutter mit manchen Menschen danach zerstritten war oder mindestens die Beziehung weiterhin schwierig blieb.

Als ich groß wurde, musste ich meine Konflikte selbst lösen. Ich konnte meine Mutter nicht mehr vorschieben und es erschein mir, dass ich alle notwendigen Techniken und Ressourcen dazu hatte. Da mir die Technik meines Vaters weniger lag – Aushalten kann ich schlecht, fiel ich meist mit der Tür ins Haus und bafand mich direkt im Auge des Orkans. Da soll es bekanntlich am ruhigsten sein – ist es aber nicht. Ein Orkan zieht einen mit und man kommt da nicht raus. Es seit dem man wird rausgeschleudert – aua.

Irgendwann gegen 30 dämmerte es mir, dass meine Konflikte mit mir zu tun haben. Nicht, nur weil und wie ich in diese geriet. Oftmals – viel zu oft! brachte ich mich unnötig in gewisse Situationen für andere. Sondern auch, weil ich sie versuchte mit inadäquaten Techniken zu lösen. Daher klärten sie sich nie wirklich zufriedenstellend oder nachhaltig. Schnell sein, laut sein, bessere Argumente haben, kalte Schulter zeigen, persönlich angreifen… – es waren und sind keine wirksamen Konfliktlösungstechniken.

Dank meines Studium der Mediation, lerne ich es anders zu machen. Langsam… sehr langsam nach und nach… und auch sehr bitter, weil es sehr viel mit der Eigenreflektion zu tun hatte. Eine Eigenreflektion, die in mir erstmal Widerstände auslöste, dann neue Erkenntnisse und erst später eine Haltungsveränderung. Insgesamt hatte es mit der tiefen Erkenntnis zu tun, was und wie viel falsch ich bisher gemacht habe. Man kann in der Kommunikation sehr viel falsch machen – vor allem an grundlegenden Sachen.

  • Welche Haltung habe ich – ist diese wertschätzend oder geht es um Macht und Gewinnen
  • Möchte ich über meinen Konfliktpartner etwas erfahren oder höre ich nur aus Höflichkeit zu aber so wirklich, will ich schnell Recht bekommen
  • Sehe ich den Anderen als Konfliktpartner oder Konfliktgegner
  • Bin ich bereit anzuerkennen, dass jeder seine eigene Realität, Wünsche, Vorstellungen und Interessen hat – oder hat sich der Andere nach meinen Mustern zu verbiegen

Als mir bewußt wurde, wieviel mein Konfliktverhalten mit meinem Kindheitsmustern und dem eigenen EGO zu tun hat, wurde mir auch klar, in welchen Situationen ich meinem

Gegenüber und mir überhaupt nicht die Chance einer Klärung gegeben habe…
Und erst dann hatte ich erste wirkliche Klärungserfolge!

Und das ist, weshalb niemand für uns Konflikte lösen kann. Denn jeder kann nur für sich selbst lernen und heilen, und nur dann erst wird Klärung wirklich möglich.

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